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Schachkompositionen 1865

Die auf dieser Internetseite gezeigten originalen Abbildungen sind nur hier zu sehen. Dies ist ein Service zusätzlich zu meinem Buch, welches "moderne" Diagramme und Lösungen enthält. Verfasser: Elke Rehder, Buchtitel: "Schach in Zeitungen des 19. Jahrhunderts. 210 Schachaufgaben und 200 Bilder." Verlagsort: Homburg, Verlag: EDITION JUNG, Erscheinungsjahr: 2014. 340 Seiten, Format DIN A5, kartoniert. ISBN 978-3-933648-54-9.

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Nr. 127 - Adalbert Moser (Königsberg, keine weiteren Daten). Die Berliner Schachzeitung veröffentlichte im 15. Jahrgang 1860 eine Schachaufgabe von A. Moser und schreibt auf Seite 417 zum Thema Schachvereine in Königsberg: "Ein ganz besonders reges Schachtreiben soll aber, nach Mitteilung unseres geschätzten Korrespondenten Herrn Techniker A. Moser, in dem alten Siegel'schen Kaffeehause herrschen und sich vorzüglich in einem freien Zirkel von zehn bis fünfzehn Schachfreunden durch theoretischen Eifer wie häufige Konsultationsspiele kund geben." Mit hoher Wahrscheinlichkeit zählte auch Friedrich Reimann zu diesem Kreis der Königsberger Schachkomponisten.

Nr. 128 - Friedrich Reimann (Königsberg, keine weiteren Daten). Die Berliner Schachzeitung veröffentlichte im 15. Jahrgang 1860 eine Schachaufgabe von F. Reimann und schreibt im Briefwechsel auf Seite 371 an Reimann: "Unter den sieben auf so sinnreiche Weise bei uns eingeführten Erzeugnissen gefallen uns die beiden ersten Nummern, welche unbedingt und bald Aufnahme finden sollen, am besten; für das dritte mit seiner unmöglichen Stellung wollen Sie uns eine besondere Verwertung gestatten. Die Selbstmatts bieten durchgehends nicht ganz korrekte Positionen …".

Nr. 129 - Johannes Minckwitz (11.04.1843 Leipzig – 20.05.1901 Wiesbaden-Biebrich) war ein deutscher Schachmeister, Schachkomponist, Schachpublizist und Sohn des gleichnamigen Schriftstellers Johannes Minckwitz (21.01.1812–29.12.1885). Nach einer kaufmännischen Laufbahn wandte er sich seiner Leidenschaft, dem Schachspiel, zu. Er erhielt Schachunterricht u. a. von Otto Wigand, Herrmann Hirschbach und studierte die Schachaufgaben in der Leipziger Illustrirten Zeitung. Für seine Schachkompositionen erhielt er mehrere Auszeichnungen. Er entwickelte sich zu einem starken Schachspieler und spielte gegen Adolf Anderssen und Louis Paulsen. Von 1865 bis 1876 und von 1879 bis 1886 war er Herausgeber der Deutschen Schachzeitung. Ab 1883 machte sich bei ihm eine geistige Erkrankung bemerkbar und er wurde in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. In Not geraten, wurde er 1901 von einer Straßenbahn überfahren und starb.

Nr. 130 - Konrad Bayer (auch Conrad Bayer) (10.11.1828–20.09.1897) war Schachspieler, Advokat und Handelskammersekretär in Olmütz. Er gehört zu den Hauptvertretern der deutschen Problemkunst in den 1850er Jahren. Bayer siegte in mehreren internationalen Problem-Turnieren, 1856 im Londoner Era-Turnier, 1857 erhielt er den zweiten Preis beim ersten Amerikanischen Schachkongress, 1860 im Régence-Turnier in Paris und 1862 und 1866 in zwei weiteren Turnieren in England.

Nr. 131 - Hermann Feodor Lehner (1842–1897) war ein Wiener Schachautor und Problemkomponist. Gemeinsam mit Constantin Schwede publizierte er 1874 den Bericht Der erste Wiener Internationale Schachkongress im Jahre 1873 im Verlag Veit & Comp. in Leipzig. Lehner gab im Selbstverlag in Wien auch eigene Schachzeitungen heraus. Von April 1872 bis Dezember 1875 erschien monatlich die "Oesterreichische Schachzeitung. Herausgegeben und unter Mitwirkung zahlreicher Schachfreunde". Der Schachmeister Baron Ignaz von Kolisch unterstützte die Zeitung finanziell und im zweiten Jahrgang 1873 erhielt das Titelblatt den Untertitel: "Herausgegeben und unter Mitwirkung von I. Kolisch, Vizepräsident der Wiener Schachgesellschaft". Insgesamt erschienen 4 Jahrgänge (63 Nummern). Von Januar 1881 bis Dezember 1896 erschien monatlich die "Oesterreichische Lesehalle. Monatsschrift für Unterhaltung und Belehrung. Mit einer besonderen Abtheilung für die Pflege des Schachspiels". Insgesamt erschienen 16 Jahrgänge (192 Nummern).

Nr. 132 - Frank Healey (auch Francis) (19.11.1828–17.02.1906 London) war ein englischer Schachspieler und bekannter Schachkomponist. 1866 veröffentlichte er eine Sammlung von 200 eigenen Schachkompositionen unter dem Titel A Collection of 200 Chess Problems. Für ihn waren Schachprobleme wie eine Poesie des Schachspiels. Seine bekannteste Schachaufgabe zeigt die Vorausbahnung, die beim Bristol Problem Tourney 1861 den ersten Preis erhielt. Im Schlüsselzug bahnt der weiße Turm im Voraus den Weg für seine Dame, international bekannt als "Healeys Bahnung" oder "Bristol-Thema".

Nr. 133 - M. Brede (M. steht für "Mister". Bredes Schachkomposition waren unter "M. Brede" schon ab 1841 im Chess Player's Chronicle und ab 1843 in der Illustrated London News erschienen), das ist Ferdinand Julius Brede (1799 oder 1800 Stettin – 15.12.1849 Altona, heute ein Bezirk von Hamburg). Brede war Buchhalter beim Altonaer Kaufmann Georg Friedrich Baur. Baur war Eigentümer des nach ihm benannten Baurs Park im heutigen Hamburger Stadtteil Blankenese. Brede betätigte sich außerdem als Schriftsteller unter dem Pseudonym de Fibre und als Schachkomponist. Brede war Mitglied im Hamburger Schachclub (Chess Player's Chronicle 1841 Seite 241 "Problem No. 131 By M. Brede, of the Hamburgh Chess Club". 1844 gab Brede den Almanach für Freunde vom Schachspiel heraus, eine Sammlung mit selbstverfassten Schachaufgaben. In der Kompositionstheorie wurde vor allem die Anregung Bredes aufgegriffen, dass nicht jeder Zug einer Aufgabe Schach bieten solle, sondern die Gegenseite durch schachlose Züge mehrere Verteidigungsmöglichkeiten erhalten könne. Diese Anschauung setzte sich bald durch. Brede gilt als Urheber des Variantenproblems.

Nr. 134 - M. Grosdemange (M. = Monsieur) E. Grosdemange (geb. 1793, verstorben 02.09.1878 in Commercy, Lothringen) war ein französischer Schachkomponist. 1856 war er Teilnehmer am allerersten Kompositionsturnier der englischen Wochenzeitschrift The Era. 1867 nahm er am Kompositions-Wettbewerb anlässlich der Pariser Weltausstellung teil. 1875 belegte er mit seinen Kompositionen beim Concours de Strategie den dritten Platz . Am 15. September 1878 erschien ein Nachruf in der Pariser Schachzeitung La Strátegie.

 

 

Nr. 135 - Willem Jan Louis Verbeek (1820–1888) war ein niederländischer Schachspieler, Schachkomponist, Buchautor und Redakteur der Schachzeitung für den Niederländischen Schachbund. Seine Schachkompositionen veröffentlichte er u. a. in der Schachzeitung Sissa mit Verlagsort Wijk bij Duurstede anfangs unter dem Pseudonym Gustavus.

Nr. 136 - zu Konrad Bayer siehe oben Nr. 130

Nr. 137  Selbstmatt in vier Zügen - M. Dermenon war ein französischer Schachkomponist und Schachspieler im Café Maderni in Lyon. Dort gründete sich 1862 eine Gemeinschaft von Schachspielern, von denen M (M. = Monsieur) Dermenon als der beste galt. Dermenon war auch Verfasser von Schachartikeln in Zeitschriften (M. Dermenon, l'ingénieux rédacteur des articles d'Échecs dans la Revue illustrée).

Nr. 138 Selbstmatt in fünf Zügen - W. Gautier  (vermutlich ein Schachfreund aus dem Schachkreis des Café Maderni in Lyon)

Nr. 139 Selbstmatt in sechs Zügen - Johan Gustaf Schultz (23.02.1839–28.11.1869) war ein schwedischer Schriftsteller, Publizist, Schachspieler und Schachkomponist. In Schweden gilt er als Pionier des Problemschachs. Schultz arbeitete als Redakteur für die illustrierte Stockholmer Zeitung När och Fjerran (Nah und Fern) und redigierte dort seit Juli 1859 die Schachspalte. 1862 erschien sein Buch 100 uppgifter för schackvänner (100 Aufgaben für Schachfreunde). Sein 83seitiges Manuskript Problèmes d'echecs in französischer Sprache, befindet sich in der White Collection der Cleveland Public Library. Schultz starb im Alter von 30 Jahren an einem Lungenleiden.

Nr. 140 Selbstmatt in dreizehn Zügen - Albert Barbe (keine Lebensdaten) gilt neben Max Lange als Wegbereiter des Hilfsmatts, eine Kompositionsrichtung im Schach, in der beide Parteien kooperieren, damit Weiß den schwarzen König in der vorgegebenen Anzahl von Zügen mattsetzen kann. Das Hilfsmatt wurde später von dem amerikanischen Spieleerfinder und Schachkomponisten Samuel Loyd und dem Schachkomponisten Otto Würzburg weiter ausgearbeitet.

Nr. 141 - Napoleon Marache (15.06.1818 Meaux, Frankreich – 11.05.1875 New York) wanderte im Alter von 12 Jahren nach New York aus. 1844 begann er mit dem Schachspielen, komponierte Schachprobleme und stieg zum seinerzeit bekanntesten Schachjournalisten in den Vereinigten Staaten von Amerika auf. Er entwickelte sich zu einem starken Schachspieler. 1857 verlor er gegen Paul Morphy in einem grandiosen Schachkampf. 1866 veröffentlichte er sein Schachhandbuch Marache's Manual of Chess, eines der ersten Schachbücher in den Vereinigten Staaten.

Nr. 142 - Samuel Loyd (auch: Sam Loyd, 30.01.1841 Philadelphia – 10.04.1911 New York) war ein bekannter Schachkomponist, Spiele-Erfinder und Rätselspezialist. Loyd nahm unter anderem 1867 am internationalen Schachturnier anlässlich der Weltausstellung in Paris teil. Nach 1870 widmete sich mehr den mathematischen Denkspielen und der Erfindung origineller Werbegeschenke. 1885 wettete Loyd mit dem Schachweltmeister Wilhelm Steinitz, dass er schneller ein Schachproblem komponieren als Steinitz die Lösung finden könne. Er verlor diese Wette und siegte in einer Revanche.

Nr. 143 - William Mitcheson (keine Lebensdaten) war ein englischer Schachkomponist. Von Beruf war er Lehrer. 1867 war er Kassenwart der Northumberland and Durham Chess Association und Sekretär des Newcastle Chess Club in Newcastle upon Tyne. Von 1876 bis 1878 Redakteur der Schachspalte in der Zeitung Newcastle Courant. Die Berliner Schachzeitung brachte in der Juli/August-Ausgabe 1864 auf Seite 283 die Schachaufgabe Nr. 1852 (Dreizüger). Eine Partie von Mitcheson gegen William C. Cotton brachte die Schachzeitung The Chess World, a Magazine devoted to the cultivation of chess, containing Games & Problems by the first Masters …, London, Trübner 1868.

Nr. 144 - François Paul Loquin (13.08.1799–02.08.1877) war ein französischer Schachkomponist. Er war ein starker Schachspieler und veröffentlichte von 1843 bis 1875 in Le Palamède und La Régence zahlreiche Schachkompositionen.

 

 

Lösungen

Die Lösungen zu den Aufgaben von 1864 finden Sie in meinem Buch "Schach in Zeitungen des 19. Jahrhunderts". Der Schachspieler und Schachbuch-Verleger Karl-Otto Jung in Homburg im Saarland hat mit Hilfe eines Computerprogramms die Lösungen ermittelt.

 

© Elke Rehder

Bitte besuchen Sie auch meine Homepage www.elke-rehder.de

 

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