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Das Schachspiel in Holzstichen und Lithografien in alten Zeitschriften

In der Sammlung eines Schachfreundes fand ich neben zahlreichen illustrierten Familienblättern auch alte Modezeitschriften. In der Zeitschrift Der Bazar machte ich einige Entdeckungen zum Schachspiel. Zum Beispiel fand ich dort einen Holzschnitt von Brend’amour nach einem Gemälde von Francisco Jover y Casanova . Das Gemälde entstand 1877. Der Titel in deutscher Übersetzung ist "Indiskrete Absichten". Die Redaktion der Modezeitung Der Bazar schrieb als Untertitel zum Bild: "Wer gewinnt?"

Die Zeitschrift Der Bazar hatte den Zusatz "illustrirte Damen-Zeitung". Sie erschien im Verlag Bazar-A.G. von 1855 bis 1937 in Berlin.

Richard Brend’amour (1831 Aachen – 1915 Düsseldorf) gründete 1856 in Düsseldorf die Xylographische Kunstanstalt Brend’amour & Cie. Mit der Verbreitung von illustrierten Zeitschriften und Zeitungen entwickelte sich die Kunstanstalt zu einem der führenden Unternehmen in dieser Branche, bis der Holzschnitt Ende des 19. Jahrhunderts durch die Nutzung der neuen fotografischen Techniken an Attraktivität verlor und wirtschaftlich unrentabel wurde.

Francisco Jover y Casanova (1836 Muro, Alicante – 1890 Madrid) studierte an der Akademie Chigi in Rom. Später war er als Portrait- und Genremaler in Madrid tätig.


Schachgemälde von Francisco Jover in einem Holzstich von 1883
Gemälde von Francisco Jover. Holzstich aus "Der Bazar", 29. Jahrgang, 1. März 1883.

 

Nicht nur in Zeitschriften und Schachmagazinen war das Schachspiel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Abbildungen gegenwärtig. Auch allgemeine Zeitungen veröffentlichten außergewöhnliche Bilder, die Szenen einer Schachpartie zeigen. Die 1843 in Leipzig von J. J. Weber gegründete "Illustrirte Zeitung" entwickelte sich zum auflagenstärksten Blatt. In der Nr. 1123 erscheint am 7. Januar 1865 ein "Photographisches Album zum Jahreswechsel". Die Bilder wurden als Holzstiche gedruckt. Eines dieser Bilder trägt den Untertitel "Die beiden Schachspieler (altes Lied)":

die beiden Schachspieler in Uniform am Schachbrett. Holzstich von 1865

Die beiden Schachspieler (altes Lied) von 1865

 

In der Nr. 1275 vom 7. Dezember 1867 ist ein Holzstich nach einem Gemälde von Lawrence Alma-Tadema abgebildet. Die Leipziger "Illustrierte Zeitung" schreibt in einem kurzen Artikel zu diesem Bild:
"Sein erstes Bild, das namentlich in Paris Furore machte, zeigt dem Beschauer, wie sich die Aegypter vor 2000 Jahren belustigten. Gustav Flaubert hatte durch seinen Roman "Sallambo" gerade damals in der Seinestadt die literarischen und artistischen Ausgrabungen in die Mode gebracht, und da das Bild viele treffliche Eigenschaften hatte, ja, so seltsam es auch klingen mag, äußerst gelehrt sich anließ, so begründete es den Ruf des jungen Künstlers."

Lawrence Alma-Tadema Gemälde Ägypter beim Brettspiel

Die alten Ägypter kannten kein Schach. Das obige Motiv entspringt der Phantasie des Künstlers. Als Brettspiel wurde aber schon ca. 3000 Jahre v. Chr. das Senetspiel gepflegt. Ein typisches Senet-Spieleset bestand aus einem Spielbrett, verschiedentlich gestalteten Spielfiguren und sogenannten Zählknochen. Das Spielbrett war rechteckig, besaß für gewöhnlich die Maße 35 x 10 cm oder 55 x 20 cm und hatte auf seiner Oberseite exakt dreißig Spielfelder, je zehn in einer Reihe. Aus diesem Grund wurde Senet auch "das 30-Felder-Spiel" genannt. Die Zählknochen waren plättchenförmig und besaßen auf jeder Seite eine unterschiedliche Anzahl an Zählstrichen. Zum Figurenset gehörten drei große, kegelförmige Figuren und vier etwas kleinere, spulenförmige Spielsteine. Senet wurde von zwei Spielern gespielt. Die Reise begann in einem Feld mit der Aufschrift "Geburt". Die letzten fünf Spielfelder enthielten die Miniaturdarstellungen von Gottheiten. Senet diente nicht nur der Unterhaltung, sondern hatte auch eine religiöse Bedeutung. Der Brettspieltext enthält viele Bezüge zum Lauf der Sonne und der Dekan-Sterne.

Informationen zum Künstler Alma-Tadema:
Sir Lawrence Alma-Tadema (Geburtsname: Lourens Alma Tadema, * 8. Januar 1836 in Dronrijp, Niederlande; † 25. Juni 1912 in Wiesbaden) war ein niederländischer Maler und Zeichner des akademischen Realismus mit britischem, belgischem und niederländischem Bürgerrecht. Anlässlich des 81. Geburtstags von Königin Victoria 1899 wurde Alma-Tadema zum Ritter geschlagen. Im Alter von 76 Jahren starb Sir Lawrence Alma-Tadema am 25. Juni 1912 in Wiesbaden und wurde in der St. Paul's Cathedral in London beigesetzt. Die Bilder des viktorianischen Malers Alma-Tadema zeichnen sich durch eine besondere Detailgetreue aus, die ihn schon zu Lebzeit zu einem der berühmtesten Maler Großbritanniens machten. Die Akademie Berlin, Akademie der Bildenden Künste München, königliche Akademie von Madrid und die Akademie der bildenden Künste Wien schmückten sich mit seiner Mitgliedschaft. (Auszüge Quelle Wikipedia)

 

Diesen Beitrag über Bilder in frühen Zeitschriften werde ich demnächst fortsetzen.

© Elke Rehder

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